Was ist Karate nun eigentlich?

Der Artikel ist erschienen auf „Insight Budo„.

Was ist Karate nun eigentlich? (Teil 1 und 2)

In einem bereits veröffentlichten Artikel habe ich einen Versuch unternommen, Karate als leeren Signifikanten darzustellen, also zu zeigen, daß Karate für das jeweilige Individuum genau das darstellt, was er oder sie aufgrund bisheriger Erfahrungshorizonte darin sehen muss oder möchte (YAMAMOTO 2014). Karate ist kein vom Himmel gefallener Monolith. Es entsteht durch das, was wir damit tun: durch das Training. Karateka mit einer Wettkampfkarriere sehen ihr Karate als Sport und wenden zwangsläufig die Theorien und Methoden athletischen bzw. leistungsorientierten Trainings an. Diejenigen, die sich vermeintlich traditionell oder klassisch orientieren, tun das i.d.R. nicht. Sie sehen Karate als KampfKUNST an, deren Wahrheitswirkichkeit eine „Versport(lich)ung“ des Karate negativ werten kann. Daneben bestehen Mischformen, die den Wettkampferfolg als Teil jener Kampfkunst ausmachen. „Wahrheitswirkichkeit“ also deswegen, weil es sich hier nicht um Fakten dreht, sondern in erster Linie um „Geschmack“. Oder: Was sehe ich — für mich selbst — im Karate? Was bedeutet es mir? Was gibt es mir für mein Leben? Das sind Fragen, die nicht allgemein beantwortet werden können. Sie sind abhängig vom Kontext, den eigenen Erfahrungen und dem, was man erreichen will.