Kata und „Realität“ – Oder warum Kata nicht Kampf ist

Die meisten, wenn nicht sogar alle Derivate des Budō (dazu gehören in erster Linie die japanischen wie auch die japanisch inspirierten Kampfkünste) dürften über festgelegte Formen in ihrem Curriculum verfügen. Dazu gehören nicht nur die Formen, die allein durchgeführt werden, und die im Karate als „Kata“ bezeichnet werden (Solo-Kata), sondern auch die Partnerübungen, die aus einer nicht zu verändernden Abfolge von Angriffs- und Gegenangriffsmustern bestehen. In diesen Kata sind ebenso die Rollen festgelegt: Die Lehrer-Seite (Uchidachi) „verliert“ dabei stets gegen die Schüler-Seite (Shidachi): Der Lehrer bietet dem Schüler die Möglichkeit, die Bewegungen so zu erfahren, wie sie seiner Lehrmethode oder seiner Schulrichtung entsprechen. Diese Partnerübungen finden u.a. im Kendō, in verschieden Schulen des Iaidō oder dem Jōdō Anwendung. Die Bezeichnungen können jedoch variieren: So werden die Partnerformen nicht immer als „Kata“ bezeichnet, sondern z.B. als „Kumitachi“. Im Jūdō werden die beiden Ausführenden einer Kata „Uke“ (Empfänger) und „Tori“ (der Nehmende) genannt. Im Iaidō heißen die Solo-Formen wiederum „Waza“ (Technik). Der Nutzen dieser Formen und ihrer Rollenverteilung bleibt unabhängig von Namen und Begriffen der selbe: die Vermittlung der Ideen und Konzepte einer bestimmten Schulrichtung (jap. „Ryūha“).

Der Artikel ist im aktuellen DDK Nr. 76 (August 2017) erschienen. Das Heft wird in Kürze auch online erscheinen.