Eine poststrukturalistische Herangehensweise an die Kampfkunst

Paul Bowman (Cardiff) hielt diesen Vortrag bei der DVS-Tagung in Köln. Der Titel lautet „What Can A Martial Body Do For Society? Ich veröffentliche ihn hier im Journal, weil er für ernsthafte Budoka eine Möglichkeit bietet, mit den vielen Wegen und Irrwegen der Kampfkünste umgehen zu können.

Es geht zwar in erster Linie um ein akademisches Problem, nämlich der Notwendigkeit, der Fixierung auf Definitionen zu entkommen, indem poststrukturalistische und diskursive Ansätze zum Tragen kommen. Ein solcher – kulturwissenschaftlicher – Ansatz ist hoch gegriffen, täte aber gerade den Konstrukteuren neuer Realitäten (Kyusho-Jitsu, Elternberuhigung durch Kinderbespaßung), den Sprach- und Regionalwissenschaftlern sowie den „Traditionalisten“ sehr gut. 

Ernüchternd für jene sollte sein, daß sowohl Kampfkunst als auch die Gesellschaft leere Signifikanten sind. Das bedeutet, daß die Praxis der Kampfkunst vom jeweiligen Zeitgeist, Ideologien usw. beeinflusst ist. Im Grunde ist es also völlig OK, wenn z.B. Karate auf der einen Seite einen eindeutig nationalistischen Hintergrund hat, und auf der anderen auch einem eurozentrischen, kulturprotestantisch initiierten Zen-Buddhismus beigeordnet wird.

D.h. „das“ Karate, „die“ Kampfkunst usw. gibt es nicht.